Gutes Marketing: Was ist das eigentlich?
Früher wollte ich Werbetexterin werden.
Der Gedanke, Menschen zu berühren, Emotionen auszulösen, jemanden mit Worten zu erreichen, fasziniert mich.
Und gleichzeitig habe ich mein Leben lang das genaue Gegenteil geübt: meine eigenen Emotionen zurückzuhalten.
Nicht auffallen.
Nicht zu viel zeigen.
Denn wer wenig von sich preisgibt, kann auch weniger abgelehnt werden. Eine Art Kontrolle in einer unsicheren Welt.
Die Bühnen-Frage
Eine gute Idee für Marketing ist, glaube ich, sich vorzustellen, auf einer Bühne zu stehen.
Vor mir sitzen Menschen, die extra gekommen sind, um etwas zu hören.
Etwas Echtes.
Etwas, das sie so noch nicht gehört haben.
Etwas, das sie berührt.
Und dann frage ich mich ehrlich: Sage ich gerade etwas, das diese Menschen wirklich bewegt?
Meistens lautet die Antwort: nö.
Ganz ehrlich, davon bin ich noch verdammt weit weg.
Es gibt so viele gute Creator – was kann ich da sagen oder tun? Ich WEISS, dass ich nie so gut sein werde wie viele andere.
Also versuche ich mich mit Mittelmäßigkeit hinter dem zu schützen, was ich gelernt habe, was andere machen.
Und es versuche nachzumachen, auch wenn ich’s nicht fühle.
Aber dann kommt wieder dieser Druck und diese Anstrengung.
Mein Leben lang habe ich versucht, besser zu sein, als ich bin.
Mehr von dem zu erreichen, was ich eigentlich selbst gar nicht will.
Im Marketing lief das bei mir oft genauso.
Ich habe versucht, „professionell“ zu klingen, strategisch vorzugehen, alles richtig zu machen.
Was ich übe, ist deshalb jetzt das Gegenteil davon.
Entspannung statt Anstrengung.
Spaß als Werkzeug.
Spaß ist nicht gleich Halligalli
Und mit Spaß meine ich nicht Party und Konfetti.
Spaß kann auch bedeuten, sich vollständig in etwas zu verlieren.
Zum Beispiel einen traurigen Liebesroman zu schreiben.
Es ist diese Intensität – dieser Sog, den man selbst spürt – die sich auf andere überträgt. Die Menschen, die wirklich berühren, vermitteln nicht Inhalte. Sie vermitteln Zustände. Emotionen, die anstecken.
Gutes Marketing ist vielleicht genau das: nicht der perfekte Text, das perfekte Video oder der perfekte Podcast.
Sondern der ehrliche, begeisterte Zustand.
Milde mit sich selbst
Es gibt Menschen, die das seit zehn Jahren professionell machen, seit fünf, seit drei Jahren. Und was man oft macht, ist, sich zu hinterfragen, zu vergleichen und festzustellen: Ich bin nicht gut genug.
Und an dieser Stelle sich selbst gegenüber fair und milde zu bleiben, ist die Kunst. Genau da dranzubleiben.
Zu üben, zu riskieren, sich zu blamieren.
Kontrolle abzugeben.
Angst zu haben.
Vorm Unbekannten.
Aber ich tue es trotzdem.
Was ist deine Definition von gutem Marketing?